
Es war ein sehr gemütlicher Nachmittag mit Vorlesen und Zuhören im gemütlich eingerichteten Beyond Café in der alten Apotheke in Nittel, als Start einer neuen Veranstaltungsreihe der Geschichts- und Kulturfreunde e.V. Nittel.
Vier Vorleserinnen und Vorleser aus Onsdorf und Nittel trafen auf fünf Zuhörerinnen und Zuhörer aus Nittel, Köllig und Onsdorf, eine zwar kleine Gruppe, die aber auch die Möglichkeit der zusätzlichen Kontaktaufnahme und Diskussion eröffnete.
Aus Onsdorf kam Marlene Becker und berichtete über ein familiäres Ereignis im kalten Nachkriegswinter: einem hageren und kranken Hamsterer, so wurden damals Menschen genannt die bei der Bevölkerung in den Dörfern um Nahrungsmittel oder Kleidung bettelten, füllte zunächst die Mutter der bäuerlichen Familie den Rucksack mit hauseigenen Lebensmitteln. Der Vater schenkte dem frierenden Menschen, der lediglich mit einem dünnen Jäckchen bekleidet war, seine einzige warme Lodenjacke. Der Hamsterer war überwältigt und weinte vor Glück, die Mutter weinte, nachdem der Beschenkte gegangen war. Sie trauerte um die warme Jacke des Vaters.
Ein sehr beeindruckendes Zuhörerlebnis, das reichlich Gesprächsstoff bot, zumal in der heutigen Zeit solche Ereignisse schier unbemerkt an der Tageordnung sind.
Die lustige Geschichte des ersten WC in Nittel und seine ungewöhnliche Funktion hatte Marlies Becker aus Nittel mitgebracht. Christl Bingas las eine weihnachtliche Familiengeschichte vor, an deren Ende zwei winzige selbstgebastelte Rauschgoldengelchen mit wallendem Haar und winzigen angezündeten Kerzchen plötzlich mit schwarzer Glatze und aufgeweichtem Wachsgesicht auf einem Zweig des geschmückten Weihnachtsbaums standen.
Großen Spaß hatten die Zuhörer an der „Samstagsreinigung“ aus der Darfscheel von Karin Michaeli, eigenen Erinnerungen an das samstägliche Baden im familiären Badewasser tauchten bei den lachenden Zuhörern auf.
Launige Nitteler Geschichten von Hans-Josef Wietor machten den Zuhörern großen Spaß. Dabei erzählte er von der Entführung eines Nitteler Amtsangehörigen und dessen Inhaftierung in Grevenmacher im Jahr 1558. Es sollte damit die Abschaffung des Zolls für die auf der Mosel vorbeifahrenden Schiffe erpresst werden. Als die Verhandlungen zu keinem Ergebnis führten, entschlossen die Nitteler Bürger einen Amtsangehörigen aus Grevenmacher zu entführen. Gesagt und getan. Danach wurden die beiden entführten Personen gegeneinander ausgetauscht, die Zölle weiterhin erhoben.

Interessante Aspekte ergeben sich aus dem Wirken der Ritter des Tempelherrenordens, vielleicht auch in Nittel. Einiges spricht dafür. In der Felswand oberhalb Nittels befindet sich eine Höhle die auch heute noch als „Tempelherrenloch“ bezeichnet wird. Sie könnte den Rittern damals als Zufluchtsort gedient haben, oder vielleicht auch den ersten Christen in diesem Bereich.
Die Tempelritter erbauten in unserer Heimat auch zahlreiche Kirchen und Kapellen. Die Gotteshäuser waren meist der Heiligen Maria geweiht. Die Kapelle auf dem Berg oberhalb von Nittel könnte auch von den Tempelrittern errichtet worden sein, denn sie wurde bis ins 19. Jahrhundert als Marienkapelle bezeichnet. Später bezeichnet man die Kapelle auch als Rochuskapelle.
Nach Beendigung der Vorlesezeit gab es gute und anregende Gespräche und alle Anwesenden freuen sich schon jetzt auf die nächste Vorlese-Zuhör-Stunde am 16.9.2026, zu der alle Interessierten herzlich eingeladen sind. (Text: Christl Bingas, Foto: Verein)