Wieder in kleiner angenehmer Runde startete der zweite Vorlese- und Zuhörnachmittag der Geschichts- und Kulturfreunde Nittel. Eine Tasse Kaffee und leckerer Kuchen, vom Hausherrn des gemütlichen Cafés für seine Besucher bereitgestellt, diente als Startschuss.

So gestärkt, begann Marlene Becker aus Onsdorf mit ihrer Geschichte, die sich in Wirklichkeit zugetragen hatte. Das Christkind aus der Weihnachtskrippe in der Kirche war verschwunden, gestohlen? Wer macht denn so was? Ein kleines Mädchen aus dem Dorf hatte Mitleid mit dem in der Kälte nackt in der Krippe liegenden Baby – und nahm es mit nach Hause, um ihm sein Mäntelchen, das es zu Weihnachten bekommen hatte, anzuziehen, damit es nicht mehr frieren muss. Gutes Zureden des Großvaters brachte das Mädchen zur Einsicht, es trug das Christkind wieder zurück in seine Krippe im Stall.
In das Internatsleben im Kloster Karthaus von der Schulzeit bis ins hohe Alter gab die Geschichte von Marlies Becker Einblick. Mädchen wurden zu Hausfrauen ausgebildet, Kochen, Hausarbeit und Sozialarbeit gehörten zum täglichen Unterricht.
Der Name Windhof in Nittel kommt von viel Wind, was bis heute die Bewohner, die Fußballer und Tennisspieler zu spüren bekommen, berichtete Hans-Josef Wietor. Im Jahr 1949 fragten Nitteler Bürger bei der Gemeinde nach, ob sie die bis dahin brach liegenden Flächen bei dem damals schon existierenden Forsthaus bebauen könnten. Die Gemeinde stimmte dem Anliegen zu. Die Fläche wurde unter Bauwilligen verlost unter der Auflage, dass das erworbene Grundstück innerhalb von 5 Jahren bebaut sein müsse, sonst geht es an die Gemeinde Nittel zurück. Der Quadratmeterpreis wurde damals auf 0,30 DM/qm festgelegt. In den 70er Jahren kamen dann die Sportplätze für Tennis und Fußball dazu.
Dass Kaffeefahrten aus Nittel seit den 70er Jahren oftmals eher einer Karnevalsgesellschaft glichen, las Christl Bingas in einer Geschichte von Karin Michaeli aus der Darfscheel vor. Ebenso fröhlich ging es im Wingert bei der Weinlese zu, als noch die Maria, das Friedchen, das Gretel und das Anna – und glücklicherweise auch der Hottenträger Peli, der wusste, wie man Erntehelferinnen am besten ärgern kann, zur Lese nach Nittel kamen. Auch diese amüsante Geschichte schrieb Karin Michaeli für die Darfscheel.

Den Vorlesenden hat sich auch Agnes Müller angeschlossen und einen sehr anschaulichen, wunderbaren Bericht über eine Almwanderung in den Bayrischen und Vorarlberger Alpen den Zuhörenden präsentiert. Aufstieg ab 2 Uhr morgens, rotgeränderte Wolken vor Sonnenaufgang am Gipfelkreuz, wärmende Sonne im Rücken beim Abstieg, Empfang vom Mittagsläuten in Wangen. Zu Hause erschöpft, Blasen an den Füßen und schmerzende Knie, aber glücklich über das Erlebte.
Die aus Cuxhaven Anfang des Jahres zugereiste Nittel-Neubürgerin ist Renate Blohn-Buck, die uns zum Einstand ein heimatliches Lied in Platt vorsang, dessen Refrain wir allerdings aufgrund von Sprachschwierigkeiten leider nicht von Herzen mitsingen konnten. Das Gelächter war groß! Der integrative Anfang glänzend geschafft.
Die Zuhörenden erlebten bei allem Vorgelesenen großes Kino im Kopf, viele eigene Erinnerungen wurden wach, was immer wieder zu zusätzlichen kleinen Redebeiträgen zwischen den Lesungen führte.
Alle fühlten sich wohl und waren damit einverstanden, dass diese Reihe fortgesetzt werden soll mit zwei Terminen im Jahr – jeweils im März und September. (Text: Christl Bingas, Foto: Verein)


























