Nachmittag zum Vorlesen und Zuhören im Beyond Café in Nittel am 16.09.2026

Wieder in kleiner angenehmer Runde startete der zweite Vorlese- und Zuhörnachmittag der Geschichts- und Kulturfreunde Nittel. Eine Tasse Kaffee und leckerer Kuchen, vom Hausherrn des gemütlichen Cafés für seine Besucher bereitgestellt, diente als Startschuss.  

So gestärkt, begann Marlene Becker aus Onsdorf mit ihrer Geschichte, die sich in Wirklichkeit zugetragen hatte. Das Christkind aus der Weihnachtskrippe in der Kirche war verschwunden, gestohlen? Wer macht denn so was? Ein kleines Mädchen aus dem Dorf hatte Mitleid mit dem in der Kälte nackt in der Krippe liegenden Baby – und nahm es mit nach Hause, um ihm sein Mäntelchen, das es zu Weihnachten bekommen hatte, anzuziehen, damit es nicht mehr frieren muss. Gutes Zureden des Großvaters brachte das Mädchen zur Einsicht, es trug das Christkind wieder zurück in seine Krippe im Stall. 

In das Internatsleben im Kloster Karthaus von der Schulzeit bis ins hohe Alter gab die Geschichte von Marlies Becker Einblick. Mädchen wurden zu Hausfrauen ausgebildet, Kochen, Hausarbeit und Sozialarbeit gehörten zum täglichen Unterricht.

Der Name Windhof in Nittel kommt von viel Wind, was bis heute die Bewohner, die Fußballer und Tennisspieler zu spüren bekommen, berichtete Hans-Josef Wietor. Im Jahr 1949 fragten Nitteler Bürger bei der Gemeinde nach, ob sie die bis dahin brach liegenden Flächen bei dem damals schon existierenden Forsthaus bebauen könnten. Die Gemeinde stimmte dem Anliegen zu. Die Fläche wurde unter Bauwilligen verlost unter der Auflage, dass das erworbene Grundstück innerhalb von 5 Jahren bebaut sein müsse, sonst geht es an die Gemeinde Nittel zurück. Der Quadratmeterpreis wurde damals auf 0,30 DM/qm festgelegt. In den 70er Jahren kamen dann die Sportplätze für Tennis und Fußball dazu.

Dass Kaffeefahrten aus Nittel  seit den 70er Jahren oftmals eher einer Karnevalsgesellschaft glichen, las Christl Bingas in einer Geschichte von Karin Michaeli aus der Darfscheel vor. Ebenso fröhlich ging es im Wingert bei der Weinlese zu, als noch  die Maria, das Friedchen, das Gretel und das Anna – und glücklicherweise auch der Hottenträger Peli, der wusste, wie man Erntehelferinnen am besten ärgern kann, zur Lese nach Nittel kamen. Auch diese amüsante Geschichte schrieb Karin Michaeli für die Darfscheel.

Den Vorlesenden hat sich auch Agnes Müller angeschlossen und einen sehr anschaulichen, wunderbaren Bericht über eine Almwanderung in den Bayrischen und Vorarlberger Alpen den Zuhörenden präsentiert. Aufstieg ab 2 Uhr morgens, rotgeränderte Wolken vor Sonnenaufgang am Gipfelkreuz, wärmende Sonne im Rücken beim Abstieg, Empfang vom Mittagsläuten in Wangen. Zu Hause erschöpft, Blasen an den Füßen und schmerzende Knie, aber glücklich über das Erlebte. 

Die aus Cuxhaven Anfang des Jahres zugereiste Nittel-Neubürgerin ist Renate Blohn-Buck, die uns zum Einstand ein heimatliches Lied in Platt vorsang, dessen Refrain wir allerdings aufgrund von Sprachschwierigkeiten leider nicht von Herzen mitsingen konnten. Das Gelächter war groß! Der integrative Anfang glänzend geschafft. 

Die Zuhörenden erlebten bei allem Vorgelesenen großes Kino im Kopf, viele eigene Erinnerungen wurden wach, was immer wieder zu zusätzlichen kleinen Redebeiträgen zwischen den Lesungen  führte. 

Alle fühlten sich wohl und waren damit einverstanden, dass diese Reihe fortgesetzt werden soll mit zwei Terminen im Jahr  – jeweils im März und September. (Text: Christl Bingas, Foto: Verein)

Historischer Rundgang in Nittel 2026

Die Dörfer an der Obermosel haben im Laufe der Jahrhunderte eine sehr abwechslungsreiche und interessante Geschichte durchlebt, so auch Nittel, Köllig und Rehlingen.

Die Geschichte eines Ortes prägt den Menschen mit all ihren Auswirkungen, der Mensch wiederum beeinflusst die Geschichte durch sein Handeln und Tun. Ein Geben und ein Nehmen. So sind die Geschichte eines Ortes und die seiner Bewohner untrennbar miteinander verbunden.

Der Verein der Geschichts- und Kulturfreunde Nittel e.V. hatte auch in diesem Jahr wieder zu einer historischen Wanderung eingeladen. 30 sehr interessierte Personen wollten mehr von der Geschichte und den Ereignissen im Ort wissen und begaben sich bei schönem Sonnenschein mit auf den Weg.

Hans-Josef Wietor, der Vorsitzende des Vereines, führte die Gruppe zu besonderen Plätzen in Nittel und erzählte über deren Geschichte, von manchen heute lustig anmutenden Geschehnissen, aber auch von manchen weniger lustigen Ereignissen.

Zunächst konnten die Teilnehmer ein Relikt aus der Urzeit betrachten. Es handelt sich um ein Teilstück eines Stoßzahnes eines Mammuts, das bei der Sanierung des Eisenbahntunnels gefunden wurde. Das Mammut verendete nachweislich vor 42000 Jahren! 

Der Bereich an der Obermosel war zunächst von den Kelten besiedelt. Im 1. Jahrhundert v.Chr. folgten die Römer. Im 5. Jahrhundert nach Christus endete die römische Dominanz und die Franken übernahmen die Herrschaft. Sie alle hinterließen vielerlei Zeugnisse ihres Daseins.  (Foto: Die Römer u.a. einen Ziegelbrennofen in Rehlingen.)

In den 15., 16., und 17. Jahrhunderten war Mitteleuropa von vielen Kriegen, von vielen Missernten und Kälteeinbrüchen gezeichnet. Besonders für die Missernten und die Kälteeinbrüche suchte man nach Schuldigen. Schließlich fand man sie in Menschen die „im Verdacht standen“ als „Hexen“ zu wirken. Auch Nittel wurden von diesem Zeitgeist erfasst denn auch in Nittel wurden „Hexen“ hingerichtet, so wie im gesamten Bereich von Mitteleuropa.

Auch die rasante Entwicklung des Wein- und Ackerbaus seit dem Ende des Weltkrieges wurden an Hand von zahlreichen Fotos dokumentiert und nachverfolgt. So gestaltete sich die Traubenlese im Jahr 1940, damals noch mit 2 PS vor dem Gefährt.

Viele Begebenheiten wurden mit Fotos dokumentiert, z.B. von Nitteler Straßen, von Gebäuden in den 60er Jahren, von den Bartmännern von 1929, Ortsansichten von 1900, das Nitteler Wappen und vieles mehr. 

Die Kirche hat eine lange Geschichte in Nittel. Die erste Kirche wurde vermutlich schon im 8. Jahrhundert errichtet. Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche erneuert. Dabei blieb von der vorherigen Kirche nur ein Teil des Kirchturmes erhalten, der auch heute noch Bestandteil des jetzigen Kirchengebäudes ist.  (Foto: Altarraum vor dem Umbau 1930.)

In den 1930er Jahren war die Kirche zu klein und wurde dem entsprechend vergrößert. 

Vor etwa 100 Jahren wurden in dem damaligen Pfarrgarten 6500 Münzen vergraben. Dieser Münzschatz wurde von Hans-Josef Wietor gefunden und zum Landesmuseum Trier gegeben. Dort wurde festgestellt, dass es sich hauptsächlich um Münzen handelte, die durch eine Inflation wertlos geworden waren. Es wurde vermutet, dass diese wertlosen Münzen in der Kirche im Klingelbeutel „entsorgt“ wurden. Und die Münzen wurden später dann im Erdreich des damaligen Pfarrgartens vergraben. Daher wurde dem Fund beim Landesmuseum der Name „Klingelbeutelschatz“ vergeben. (Foto: Trierer Notgeld aus dem Klingelbeutelschatz)

Ein Foto das H.-J. Wietor zeigte wurde von den Teilnehmern erstaunt und lächelnd betrachtet. Es zeigte ein Pferd und seinen Reiter die nach getaner Arbeit wohl sehr durstig waren und sich zur Gaststätte Holbach begeben hatten. Der Durst war so groß, dass sie sich zusammen direkt in die Wirtsstube und zum Tresen begaben. Dort bestellte der Reiter Getränke für sich und sein Pferd. Womit der Reiter und das Pferd ihren Durst löschten, wurde leider nicht überliefert.

Abschließend bedankte Hans-Josef Wietor sich bei den Teilnehmern die an der Geschichte sehr interessiert waren und bei dem Rundgang zudem auch viel Spaß hatten. (Text: H-J. Wietor, Fotos: I. Posaric)

Nachmittag zum Vorlesen und Zuhören im neuen Beyond Café in Nittel 

Es war ein sehr gemütlicher Nachmittag mit Vorlesen und Zuhören im gemütlich eingerichteten Beyond Café in der alten Apotheke in Nittel, als Start einer neuen Veranstaltungsreihe der Geschichts- und Kulturfreunde e.V. Nittel.

Vier Vorleserinnen und Vorleser aus Onsdorf und Nittel trafen auf fünf Zuhörerinnen und Zuhörer aus Nittel, Köllig und Onsdorf, eine zwar kleine Gruppe, die aber auch die Möglichkeit der zusätzlichen Kontaktaufnahme und Diskussion eröffnete. 

Aus Onsdorf kam Marlene Becker und berichtete über ein familiäres Ereignis im kalten Nachkriegswinter: einem hageren und kranken Hamsterer, so wurden damals Menschen genannt die bei der Bevölkerung in den Dörfern um Nahrungsmittel oder Kleidung bettelten, füllte zunächst die Mutter der bäuerlichen Familie den Rucksack mit hauseigenen Lebensmitteln. Der Vater schenkte dem frierenden Menschen, der lediglich mit einem dünnen Jäckchen bekleidet war, seine einzige warme Lodenjacke. Der Hamsterer war überwältigt und weinte vor Glück, die Mutter weinte, nachdem der Beschenkte gegangen war. Sie trauerte um die warme Jacke des Vaters.

Ein sehr beeindruckendes Zuhörerlebnis, das reichlich Gesprächsstoff bot, zumal in der heutigen Zeit solche  Ereignisse schier unbemerkt an der Tageordnung sind.

Die lustige Geschichte des ersten WC in Nittel und seine ungewöhnliche Funktion hatte Marlies Becker aus Nittel mitgebracht. Christl Bingas las eine weihnachtliche Familiengeschichte vor, an deren Ende zwei winzige selbstgebastelte Rauschgoldengelchen mit wallendem Haar und winzigen angezündeten Kerzchen plötzlich mit schwarzer Glatze und aufgeweichtem Wachsgesicht auf einem Zweig des geschmückten Weihnachtsbaums standen.

Großen Spaß hatten die Zuhörer an der „Samstagsreinigung“ aus der Darfscheel von Karin Michaeli, eigenen Erinnerungen an das samstägliche Baden im familiären Badewasser tauchten bei den lachenden Zuhörern auf.  

Launige Nitteler Geschichten von Hans-Josef Wietor machten den Zuhörern großen Spaß. Dabei erzählte er von der Entführung eines Nitteler Amtsangehörigen und dessen Inhaftierung in Grevenmacher im Jahr 1558. Es sollte damit die Abschaffung des Zolls für die auf der Mosel vorbeifahrenden Schiffe erpresst werden. Als die Verhandlungen zu keinem Ergebnis führten, entschlossen die Nitteler Bürger einen Amtsangehörigen aus Grevenmacher zu entführen. Gesagt und getan. Danach wurden die beiden entführten Personen gegeneinander ausgetauscht, die Zölle weiterhin erhoben.

Interessante Aspekte ergeben sich aus dem Wirken der Ritter des Tempelherrenordens, vielleicht auch in Nittel. Einiges spricht dafür. In der Felswand oberhalb Nittels befindet sich eine Höhle die auch heute noch als „Tempelherrenloch“ bezeichnet wird. Sie könnte den Rittern damals als Zufluchtsort gedient haben, oder vielleicht auch den ersten Christen in diesem Bereich.

Die Tempelritter erbauten in unserer Heimat auch zahlreiche Kirchen und Kapellen. Die Gotteshäuser waren meist der Heiligen Maria geweiht. Die Kapelle auf dem Berg oberhalb von Nittel könnte auch von den Tempelrittern errichtet worden sein, denn sie wurde bis ins 19. Jahrhundert als Marienkapelle bezeichnet. Später bezeichnet man die Kapelle auch als Rochuskapelle.

Nach Beendigung der Vorlesezeit gab es gute und anregende Gespräche und alle Anwesenden freuen sich schon jetzt auf die nächste Vorlese-Zuhör-Stunde am 16.9.2026, zu der alle Interessierten herzlich eingeladen sind. (Text: Christl Bingas, Foto: Verein)

Ausländische Mitbürger stellen ihr Heimatland vor 2025

Die diesjährige Veranstaltung „Ausländische Mitbürger stellen ihr Heimatland vor“ ist die 13. Auflage dieser Art die von dem Verein Geschichts- und Kulturfreunde Nittel e.V. durchgeführt wurde.

In den vorausgegangenen Veranstaltungen wurden bereits 25 Länder vorgestellt. Die einzelnen Vorstellungen zeichneten jeweils interessante und beeindruckende Bilder und Begebenheiten des Lebens in den jeweiligen Ländern und Kulturkreisen, die uns sonst meist verborgen geblieben wären und die auch nicht in hochglänzenden Urlaubsprospekten zu sehen sind.

Ein sehr fernes und ein sehr nahes Land wurden den Besuchern der Veranstaltung in exzellenten PowerPoint- Präsentationen vorgestellt: Vietnam und Luxemburg

Mai Nga Tran, Studentin in Trier, berichtete uns – gekleidet in ein traumhaftes Ao Dai (traditionelles Kleid) – über ihr Heimatland Vietnam (amtlich Sozialistische Republik Vietnam – Việt Nam). Mit dem Wahlspruch Unabhängigkeit, Freiheit, Glück erstreckt es sich der Staat in Südostasien entlang der Grenze zu China, Laos, Kambodscha, den Golf von Thailand und des Südchinesischen Meeres. Die Hauptstadt Vietnams ist Hanoi (7 Mio Einwohner), die zweitgrößte größte Stadt ist Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) mit 3,6 Mio Einwohnern. Die Mehrheit der Bevölkerung sind Vietnamesen.

Die Länge des Landes bedingt unterschiedliche tropische Wetterzonen: der Norden hat Frühling, Sommer, Herbst und Winter, der Süden sonniges und regnerisches Wetter. Touristen bewundern die vielen schönen Inseln, die tropischen Wälder und das blaues Meer. Mit mehr als 100 Mio Einwohnern und einer Bevölkerungsdichte von 314 Einwohnern pro km² belegt Vietnam Platz 16 derWeltrangliste. Es herrscht Arbeitskräftemangel teilweise bedingt durch das hohe Durchschnittsalter der Bevölkerung.

In der 400jährigen Geschichte stand Vietnam vor dem 19. Jahrhundert unter der Herrschaft chinesischer Dynastien, von 1884bis 1945 unter französischer Kolonialherrschaft und von 1945 bis 1975 bestand die Teilung in Nord- und Südvietnam. Von 1964bis 1973 scheiterten die Vereinigten Staaten von Amerika im Vietnamkrieg. Die Amtssprache ist Vietnamesisch, das 88 % der Bevölkerung als Muttersprache beherrschen und das seit 1945 in einer eigenen, lateinbasierten Schrift geschrieben wird.

Etwa 81,5 % der Vietnamesen sind Atheisten bei ca. 20 Millionen Buddhisten sowie 6 Millionen Katholiken. Geisterglaube istverbreitet. Besonders beliebt ist unabhängig von der jeweiligen Konfession das Lên đồng- Ritual, bei dem die Schamanin die Geister in Trance um Gesundheit und Wohlstand für die Gastgeber des Rituals bittet.

Die Kleidung ist traditionell je nach Region. Wohnhäuser sind „normal“ gebaut, allerdings gibt es sehr viele Tempel in typischer Bauweise. Für alle Kinder gelten gleiche Chancen, Schulkosten in Klasse 1 bis 5 betragen 5 € im Monat.

Die Vielfalt der vietnamesischen Küche ist unermesslich und regional unterschiedlich. Westliche Gebräuche der ehemaligenKolonialmächte werden bis heute beibehalten, darunter Baguettes, Croissants und Kaffee. Gerichte werden typischerweise außerordentlich heiß, aber kurz gebraten und in Pfannen (Wok) auf hohem offenem Feuer zubereitet. Es dominieren kleineStraßenstände, gekocht wird je nach Angebot des Kochs oder Wünschen des Gastes. Dieser Bericht faszinierte die Zuhörer im Saal und es gestaltete sich ein reger Gedankenaustausch. Am Ende ihresVortrages in hervorragendem Deutsch und unter großem Publikumsapplaus erhielt Mai Nga Tram vom Vorsitzenden des Vereins, Hans-Josef Wietor, einen bunter Blumenstrauß als Dankeschön.

Auch nach diesen interessanten Informationen, die abwechselnd von Cindy van Duyk und Angel Jil Estevan in bester deutscher Sprache vorgetragen wurden, war der Beifall groß. Man hätte noch lange weiter zuhören können.

Cindy van Duyk und Angel Jil Estevan brachten Ihr Heimatland Luxemburg den Zuhörern näher. Luxemburg liegt zwar „vor der Nase“ Nittels, aber genau kennen es nur wenige.

Es gibt weltweit nur ein einziges Großherzogtum – und das ist Luxemburg. Allerdings hat es drei Amtssprachen: Luxemburgisch, Deutsch und Französisch. 1984 wurde Luxemburgisch zur Nationalsprache erhoben Staatsoberhaupt des demokratischen Staates in Form einer konstitutionellen Monarchie ist Großherzog Henri, der im Oktober 2025 nach 25 Jahren Regierungszeit abdanken und das Amt an seinen Sohn Erbgroßherzog Guillaume übergeben wird. Regierungschef seit 2023 ist Luc Frieden. Die Staatsform ist eine parlamentarische Monarchie, wobei dem Großherzog in erster Linie nur noch repräsentative Aufgaben zukommen.

Seit dem Wiener Kongress 1815 ist Luxemburg Großherzogtum und war mit dem Königreich der Niederlande verbunden: der niederländische König war gleichzeitig Großherzog von Luxemburg. Seine Unabhängigkeit erreichte Luxemburg erst 1890.Während des 1. und 2. Weltkriegs war es von Deutschen besetzt und wurde in den 50iger Jahren Mitglied u.a. der NATO, Montanunion, EWG und EURATOM. Der 23. Juni ist Nationalfeiertag und wird mit einem großem Feuerwerk gefeiert, finanziert von der gesamten Bevölkerung i. H. v. 1 € pro Person.

In dem Land, kleiner als das Saarland, leben ca. 672.000 Einwohnern und 170 verschiedene Nationalitäten. Seit 2019 darf dort jeder den weltweit einmaligen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr benutzen, was aber den hohen CO2-Ausstoß bisher nicht verringerte.

Mehr als 100 Burgen und Schlösser, unzählige traumhafte Wanderwege und Klettersteige im ganzen Land sowie die AltstadtLuxemburgs mit Festungsanlagen und den Kasematten locken viele Touristen an, ebenso die großen Feste wie Lichtmess, Buergbrennen (Winteraustreiben) und seit 1340 die Schuberfour (größtes Volksfest Luxemburgs und der Großregion). Weihnachten wurde erst nach dem 2. Weltkrieg übernommen, nachdem amerikanische Soldaten an den Weihnachtstagen Schokolade an die Kinder verteilten.

Die Küche ist deftig, z.B. Judd mat Gaardebounen (Schweinenacken mit Saubohnen), Gromperekichelcher (Kartoffelpuffer), Kniddelen (Mehlknödel), Rieslingspaschtéit (Fleischpastete verfeinert mit aromatischem Riesling und frischen Kräutern). Eine weitere Spezialität ist auch das Luxemburger Rosinenbrot.

Luxemburg mag klein sein, aber es hat eine große Liebe zum Bierbrauen. Um das Jahr 1300 stammen erste Hinweise auf eineKlosterbrauerei in der Abtei Munster in Clausen. Heute ist Luxemburgs Craftbeer-Szene ein Gewerbe aus Leidenschaft. Das Weinbaugebiet Luxemburg heißt Luxemburger Mosel bzw. Miselerland und ist eng mit dem geschichtlichen Geschehen ander Untersauer und Mosel verbunden. Aus den Weinen entstehen u.a. hochprämierte Crémants sowie Schnäpse und Liköre.

Das Dankeschön für Cindy war ein großer Sommerblumenstrauß, Angel dagegen durfte leckeren Nitteler Traubensaft in rot undweiß nach Hause tragen. Beides wurde von Hans-Josef Wietor mit abschließenden lobenden Worten überreicht. (Fotos und Text: Christl Bingas)

Ausländische Mitbürger stellen ihr Heimatland vor

Der neu angebotene Veranstaltungssaal des Gasthauses Dostert-Schmitt war mit etwa 50 Personen sehr gut gefüllt, viele Stühle mussten noch zusätzlich aus der Gaststätte in den schönen Saal gebracht werden. Dies war ein sehr erfreulicher Aspekt, nachdem seit 2020 diese Veranstaltung dem Coronavirus zum Opfer fiel. 

Italien und Griechenland waren zwei Länder, die zwar vielen mehr oder weniger bekannt sind. Dennoch ist es sehr interessant, noch Einzelheiten unterschiedlicher Regionen zu erfahren.

Für Italien erzählte Thalia Comolino über ihr Heimatdorf Carpacco in der Region Udine (Autonome Region Friaul-Julisch Venetien), mit 900 Einwohnern ziemlich kleiner als Nittel. Furlanisch (Friaulisch)  sprechen die meisten Einwohner, es ist die Amts- und Schulsprache in Friaul. Beeindruckend ist der Tagliamento,  der bedeutendste der letzten Wildflüsse der Alpen.

Die Familie spielt eine große Rolle, Nähe ist wichtig, Respekt im Familienleben ist groß geschrieben, gegenseitige Hilfe ist selbstverständlich, Freude am Teilen ist groß,  die Großeltern zu pflegen ist normal, gefeiert werden  gemeinsam die zahlreichen Volksfeste. Die Bevölkerung ist sehr abergläubisch.

Der Geburtsname wird durch die Hochzeit nicht verändert, Kinder können beide Namen tragen. Zur Esskultur gehören viele kleine Portionen auf dem Tisch, Kaffee trinkt man schnell (meist nur nach dem Mittagessen), keine Kaffee-Kuchen-Kultur. Gemeinsam sitzt man sehr lange beim Abendessen. Den Prosciutto St. Danielle räuchern die meisten Familien selbst. Jedes Schinkenstück ist das Ergebnis einer jahrhundertealten Tradition. Der sehr schöne und äußerst interessante Vortrag wurde mit viel Beifall bedankt!

Im zweiten Bericht brachte Theodoros Koromilas den Zuhörern Griechenland näher. Geographische Merkmale, Physische Geographie, Demographie, Geschichte, Wirtschaft, Sitten und Gebräuche, Erfindungen, Berühmte Griechen, Strategische Freundschaften, Tourismus skizzierten die 13 Regionen Griechenlands. Etliche Unterschiede in der Lebensart zu Deutschland wurden aufgezeigt, z.B. Esskultur: Minifrühstück mit 1 Tasse Kaffee und vielleicht einem Croissant, unbedingt 1 Zigarette, Mittagessen etwa 17 Uhr, Abendessen meist gegen 22 Uhr – und das kann sehr lange dauern. Viele kleine Gänge, alles auf separaten Tellern (niemals Tellergericht wie in Deutschland), viel Kaffee, wenig Alkohol, sehr viele Zigaretten. Für zu Hause wird gerne Lieferservice in Anspruch genommen. 

250 Sonnentage locken 32 Millionen Touristen, traumhafte Landschaften und Strände, tausende Inseln im Ägäischen und Ionischen Meer, viele Erdbeben, größter Olivenölproduzent, Wahlpflicht, Militärpflicht, Namenstage wichtiger als Geburtstage, traditionelle Musik und Tänze, Hobbys älterer Männer: Rauchen, Kaffee und Backgammon (Brettspiel) im Kafenio. Alle diese einzelnen Merkmale wurden von Theo Koromilas kommentiert und interessant erklärt. Großer Beifall von allen Besuchern auch für diesen Vortrag, der viel Landesinformationen beinhaltete. 

Zur Erinnerung an Mikis Theodorakis (1925-2021) , dem von allen Griechen geliebten großen Komponisten, sang Christl Bingas das Lied „Arnisi“ – Sto Perigiali (Entsagung) in der Originalsprache griechisch. Dieses Lied mit dem Text des griechischen Literatur-Nobelpreisträgers und Regimekritikers Giorgos Seferis wurde zur Hymne der Widerstandsbewegung gegen die griechische Militärdiktatur von 1967 bis 1970 .

Hans-Josef Wietor, der zu Beginn alle Anwesenden begrüßt und die Kandidaten vorgestellt hatte, bedankte sich herzlich bei den Vortragenden, allen Besuchern und Beteiligten. Er überreichte einen Blumenstrauß an Thalia Cimolino und ein Weingeschenk aus Nittel an Theodoros Koromilas. (Text: Christl Bingas, Fotos: Fred Becker)